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Integration ist anstrengend – und zwar für beide Seiten

Für die, die neu dazu kommen und auch für die, die sie aufnehmen. Das sind echte Herausforderungen für alle Beteiligten und immer wieder Neuland. Das macht unsicher und manchmal auch Angst. Schaffen wir es als Stadt, genügend Plätze in Schulen und Kitas zur Verfügung zu stellen und haben wir ausreichend Wohnungen? Wie lerne ich schnell die neue Sprache, fragen sich die „Neuen“, wo finde ich Arbeit und welche Regeln gelten eigentlich und wie werden uns die Menschen begegnen? Die Probleme, die auch durch Zuwanderung entstehen, lassen sich nicht wegdiskutieren. Sie müssen angepackt werden.

Ich finde, jeder und jede soll sich mit seiner und ihrer Lebensgeschichte und Identität anerkannt fühlen, egal ob alteingesessen oder neu hinzugekommen. Minden, das ist für mich ein guter Hafen für alle. Vielfalt und Offenheit war doch schon immer unsere Stärke in Minden und es sind viele „Neue“ in unsere Stadt gekommen: Die Flüchtlinge nach 1945, die damals sogenannten „Gastarbeiter“ in den 50er und 60er Jahren, die „Boatpeople“ aus Vietnam in den 70ern, die Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und immer wieder Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Perspektivlosigkeit geflohen sind aus vielen Ländern der Welt. 

In Minden können wir selbstbewusst sagen: Das haben wir immer gut hinbekommen mit der Aufnahme der „Neuen“. Viele Mindenerinnen und Mindener haben sich ehrenamtlich engagiert z. B. bei der Flüchtlingshilfe in der Hafenschule, bei den Flüchtlingspartnern aus der Wirtschaft, in und mit ihren Vereinen oder ganz privat und ohne großes Aufhebens. Und Diakonie und Caritas sind eine echte Bank mit ihrer Professionalität und ihren Angeboten.

Integration ist anstrengend – aber sie lohnt sich. Viele von uns heute waren gestern doch auch die „Neuen“ in der Stadt. Oder vielleicht unsere Eltern oder Großeltern. Ich persönliche kenne so viele Erfolgsgeschichten gerade auch aus meiner Arbeit an der Schule. Geschichten wie die von Qais, der 2016 allein aus Afghanistan kam, in eine Sprachenklasse im Regelschulsystem. Er war bei mir im Leistungskurs und hat 2024 sein Abitur abgelegt. Jetzt macht er eine Ausbildung als Sanitäter und will Medizin studieren. Das ist übrigens vor allem seine Leistung!

Blicken wir also auf die Chancen und den Gewinn, den die „Neuen“ einbringen in unsere Stadtgesellschaft und gehen wir die Herausforderungen an. Dabei geben wir uns gemeinsame Regeln, um gut zusammenleben zu können. Die wichtigsten stehen übrigens in unserer Verfassung in den ersten 25 Artikeln.

Wie ich mir das Zusammenleben in unsere Stadt sonst noch vorstelle, findest Du hier.

Das war für mich besonders

Ein Satz nur, einer dieser Sätze in den Sozialen Medien: „Es gehört aufgeräumt mit diesem Pack“. Ja, der Wahlkampf ist in der heißen Phase. Plakate hängen, Flyer werden verteilt, Diskussionen an Ständen auf dem Scharn und den Stadtteilen, Veranstaltungen usw. In den sozialen Medien informiere ich über das, was mir wichtig ist: Klare Ziele, naher Austausch – mit Berichten und Videos. Und natürlich gibt es Reaktionen und Schärfe. Ich diskutiere gerne inhaltlich, für die Sache, für Minden.

Deshalb sind die Podiumsdiskussionen auch wertvoll. Gerade im Weserkolleg haben Studierende eine hervorragend organisierte, vorbereitete und sachlich fundierte Diskussion ermöglicht. Zugleich wurde ein Fehler bei der Einladung gemacht: Nicht alle Kandidierenden wurden offenbar korrekt eingeladen. In der Auseinandersetzung dazu in den sozialen Medien fiel in einem Kommentar auch dieser Satz mit „aufräumen“ und „Pack“. Wer ist gemeint mit diesem Wort und was bedeutet „aufräumen“? Aus meinem Unterricht weiß ich, dass die Nazis diese Worte in ihrem Kampf gegen die Demokratie und Republik verwendet haben. Ich frage mich: Fällt so ein Satz bewusst, fällt er auf fruchtbaren Boden, soll unsere freiheitliche Demokratie ausgehebelt werden? Deshalb sind ganz offenbar wir Demokratinnen und Demokraten gemeint, Stadtverordnete wie ich. Menschen, die sich einsetzen, in Parteien oder Wählervereinigungen und oft darüber hinaus. Wir sind das „Pack“, mit dem „aufgeräumt“ werden soll. Ich habe öfters gesagt: Es geht bei der Kommunalwahl am 14. September ums Ganze. Darum, wie wir zusammenleben und Minden gestalten wollen. Solche Kommentare bestärken mich in meiner Einschätzung. Manchmal werde ich auch gefragt: Hast Du Angst? Nein, habe ich nicht.

Aber ich weiß, dass ich bei dieser Wahl darum kämpfen will, dass die Feinde unserer Demokratie und Freiheit nicht Mindens Zukunft gestalten können. Deshalb: Ich mache weiter, nah und klar.